Rugby Try-Scorer-Wette: Erster, Letzter und Jederzeit Try-Scorer erklärt

Rugby-Spieler taucht mit dem Ball in der Hand hinter die Mallinie auf einem gruenen Rasenfeld

Mein erster Try-Scorer-Tipp war eine Bauchentscheidung – Wing links, weil der Typ schnell aussah. Er wurde nach 20 Minuten ausgewechselt. Seitdem habe ich gelernt, dass Try-Scorer-Wetten zu den faszinierendsten und gleichzeitig tückischsten Märkten im Rugby gehören. Wer hier nur auf den Namen setzt, ohne die Daten zu kennen, verschenkt Geld. Rugby Union hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt – die Zahl der aktiven Spieler stieg 2023 auf 8,46 Millionen in 132 Verbänden weltweit. Mehr Spieler bedeuten mehr Daten, bessere Analyse und letztlich schärfere Wetten. Ich nehme dich mit in einen Markt, der bei richtiger Herangehensweise regelmässig Value liefert – wenn du weisst, worauf du schauen musst.

Erster, Letzter und Jederzeit Try-Scorer: Drei Märkte im Detail

Vor ein paar Jahren sass ich mit einem Kumpel vor dem Bildschirm, als der Aussenseiter-Flügel den allerersten Try legte – bei einer Quote von 15.00. Mein Kumpel hatte ihn getippt, ich nicht. Seitdem beschäftige ich mich systematisch mit den drei Varianten der Try-Scorer-Wette, und jede hat ihre eigene Logik.

Die „Erster Try-Scorer“-Wette ist der Klassiker mit den höchsten Quoten. Du tippst, welcher Spieler den ersten Versuch des Spiels legt. Die Quoten liegen typischerweise zwischen 6.00 und 25.00, je nach Spieler und Spielstärke. Der Reiz ist offensichtlich – hohe Rendite bei einem einzigen Ereignis. Die Kehrseite: Selbst der statistisch wahrscheinlichste Scorer erzielt den ersten Try in weniger als 15 % aller Spiele. Das macht diesen Markt volatil, aber genau dort liegt das Potential für Value.

Der „Letzter Try-Scorer“-Markt wird oft unterschätzt. Hier geht es darum, wer den finalen Versuch eines Spiels erzielt. Die Quoten sind vergleichbar mit dem Erster-Try-Markt, aber die Dynamik unterscheidet sich fundamental. In den letzten 10 Spielminuten steigen müde Teams häufig auf ein konservativeres Spiel um, während das führende Team Angriffspositionen abreisst. Wer die typischen Endspiel-Muster eines Teams kennt, findet hier weniger beachtete Chancen.

Die „Jederzeit Try-Scorer“-Wette – englisch „Anytime Try-Scorer“ – ist der zugänglichste Markt. Du tippst, ob ein bestimmter Spieler mindestens einen Try im gesamten Spiel erzielt. Die Quoten sind natürlich niedriger – bei Top-Wings zwischen 1.40 und 2.50 – , dafür liegt die Trefferwahrscheinlichkeit deutlich höher. Für Einsteiger in den Try-Scorer-Bereich ist das mein empfohlener Einstiegspunkt. Weniger Varianz, bessere Planbarkeit, trotzdem attraktive Renditen bei guter Selektion.

Ein Detail, das viele übersehen: Bei allen drei Varianten zählt nur ein Try, der einem individuellen Spieler zugeschrieben wird. Penalty-Tries – also Straf-Trys, die das Team erhält, ohne dass ein Spieler den Ball ablegt – fallen in der Regel aus der Wertung. Das steht im Kleingedruckten, macht aber einen Unterschied, besonders bei knappen Spielen in der Nähe der Mallinie.

Welche Positionen scoren am häufigsten? Wing, Fullback und Centre im Vergleich

Ich habe mir über drei Six-Nations-Turniere jedes Try angeschaut – nicht nur die Highlights, sondern die tatsächlichen Scorerlisten. Das Ergebnis hat meine Wettlogik verändert. Wings dominieren die Try-Scorer-Charts mit einem Anteil von rund 70 % aller ersten Trys bei grossen Turnieren. Das ist kein Zufall, sondern Spieldesign: Der Ball wird systematisch über die Dreiviertellinie auf die Aussenbahnen gespielt, wo Wings in den freien Raum stossen.

Fullbacks – die Schlussleute – liegen an zweiter Stelle. Moderne Fullbacks wie in den All-Blacks-Systemen agieren als zusätzliche Angriffsoption, schneiden in die Linie ein und kreieren Überzahl. Ihre Try-Quote liegt bei etwa 10 – 12 % der Gesamttrys eines Teams. Für Wetten bedeutet das: Fullback-Quoten sind oft zu hoch angesetzt, weil Buchmacher ihren Scoring-Beitrag unterschätzen.

Centres – die Spieler auf den Positionen 12 und 13 – scoren seltener als Wings, aber ihre Trys kommen häufig aus Durchbrüchen im Zentrum, die schwerer vorhersagbar sind. Bei Top-Ligen mit starken Inside-Centres lohnt sich ein Blick auf die individuellen Durchbruchstatistiken. Ein Centre, der regelmässig Linebreaks erzielt, bietet bei einer Quote von 4.00 oder höher oft guten Value.

Was mich bei der Vorbereitung auf die Rugby WM 2027 besonders interessiert: Mit der Erweiterung auf 24 Teams werden mehr Spiele zwischen ungleichen Gegnern stattfinden. In solchen Partien konzentrieren sich die Trys noch stärker auf die Aussenpositionen des favorisierten Teams. Wer das früh erkennt, kann bei den WM-Quoten 2027 systematisch profitieren.

Stürmer – Positionen 1 bis 8 – tauchen selten in den Scorer-Listen auf, aber genau hier liegen die versteckten Value-Wetten. Ein Nummer 8 mit starkem Balltragevermögen in Malliniensituationen erzielt über eine Saison betrachtet überraschend viele Trys. Die Quoten auf Stürmer sind regelmässig überhöht, weil der Markt sie als „unwahrscheinlich“ einstuft. Wer die Nahbereichs-Statistiken studiert, findet dort immer wieder Perlen.

Try-Scorer-Quoten bewerten: Wann lohnt sich die Wette?

Eine Anekdote aus meinem Wett-Tagebuch: Ich hatte in einer Six-Nations-Saison 22 Jederzeit-Try-Scorer-Wetten platziert, jede einzelne mit einer berechneten erwarteten Wahrscheinlichkeit über der impliziten Quote. Das Ergebnis nach der Saison: 14 Treffer, solider Gewinn. Der Schlüssel war nicht, jeden Tipp zu treffen, sondern konsequent auf Value zu setzen.

Die implizite Wahrscheinlichkeit einer Quote berechnest du einfach: 1 geteilt durch die Dezimalquote. Eine Quote von 2.50 impliziert also eine Wahrscheinlichkeit von 40 %. Wenn deine eigene Analyse eine Trefferwahrscheinlichkeit von 50 % ergibt, hast du Value – unabhängig davon, ob diese konkrete Wette gewinnt oder verliert.

Für die systematische Auswertung von Spielerstatistiken brauchst du verlässliche Datenquellen. Die offiziellen Turnierstatistiken von World Rugby liefern Try-Daten auf Spielerebene, aufgeschlüsselt nach Position und Spielminute. Damit kannst du eigene Durchschnittswerte pro Spieler berechnen und sie mit den angebotenen Quoten vergleichen.

Ein Praxisbeispiel: Ein Wing hat in den letzten 10 Spielen 7 Trys erzielt – das ergibt eine Try-Quote von 0,7 pro Spiel. Die Jederzeit-Try-Scorer-Quote auf diesen Spieler liegt bei 1.80, was eine implizite Wahrscheinlichkeit von 55,6 % bedeutet. Deine berechnete Wahrscheinlichkeit liegt bei rund 50 % (korrigiert um Gegnerqualität und Heim/Auswärts) – kein Value, trotz starker Statistik. Ohne die Korrektur wärst du auf eine Falle hereingefallen.

Die Gegnerqualität ist der häufigste blinde Fleck. Ein Wing, der seine Trys hauptsächlich gegen schwache Defensiven erzielt hat, wird gegen ein Top-Team deutlich seltener scoren. Ich gewichte die letzten fünf Spiele, aber ich berücksichtige den Defensivrang der jeweiligen Gegner. Wer das nicht tut, überschätzt Spieler systematisch – und das kostet langfristig Geld.

Timing spielt ebenfalls eine Rolle. Try-Scorer-Quoten werden oft 48 bis 72 Stunden vor Spielbeginn veröffentlicht und bewegen sich dann je nach Aufstellungsnachrichten. Wenn ein Key-Wing in der definitiven Aufstellung fehlt, verschieben sich die Quoten auf alternative Scorer. Wer die provisorische Kadernennung am Dienstag mit der finalen Aufstellung am Freitag vergleicht, findet regelmässig Quotenbewegungen, die noch nicht vollständig eingepreist sind.

Zählt ein Penalty-Try für Try-Scorer-Wetten?

In der Regel nein. Ein Penalty-Try wird dem Team zugesprochen, nicht einem einzelnen Spieler. Die meisten Buchmacher schliessen Penalty-Trys aus der Wertung von Try-Scorer-Wetten aus. Es lohnt sich, die spezifischen Regeln des Anbieters vor der Wette zu prüfen.

Wie unterscheiden sich Try-Scorer-Quoten zwischen Six Nations und RWC?

Bei den Six Nations sind die Quoten in der Regel enger, weil mehr Daten zu den Teams und Spielern vorliegen und der Markt liquider ist. Bei der Rugby World Cup sind die Quoten bei Gruppenspielen zwischen ungleichen Gegnern oft attraktiver, da die Einschätzung der Scorer bei weniger bekannten Teams schwieriger ist und die Buchmacher breitere Margen einbauen.

Welche Statistikquellen helfen bei der Try-Scorer-Analyse?

Die offiziellen Statistiken von World Rugby und den Turnierseiten der Six Nations oder Rugby Championship liefern detaillierte Try-Daten auf Spielerebene. ESPN Scrum und Rugby Pass bieten zusätzliche Analysedaten. Für historische Vergleiche sind Plattformen wie Opta und StatsBomb relevant, wobei deren Rugby-Abdeckung nicht so umfangreich ist wie im Fussball.

Verfasst vom Team von „Rugby Union Wetten Bonus Schweiz”.