Geldspielgesetz und Netzsperren: Welche Wettseiten in der Schweiz blockiert sind

Laptop-Bildschirm zeigt eine blockierte Webseite mit Sperr-Symbol in einem Buero

Wer in der Schweiz eine internationale Sportwetten-Seite aufruft, stösst zunehmend auf eine leere Seite oder eine Sperrnotiz des Internetproviders. Das ist kein technischer Fehler – es ist das Geldspielgesetz in Aktion. Seit 2019 sperrt die Schweiz systematisch den Zugang zu nicht lizenzierten Online-Glücksspielanbietern. Mit nur zwei legalen Sportwetten-Anbietern – Swisslos (Sporttip) und Loterie Romande (Jouez Sport) – ist der Schweizer Markt einer der restriktivsten in Europa. Für Rugby-Wettende hat das direkte Konsequenzen: Das verfügbare Wettangebot ist limitiert, aber dafür legal, reguliert und steuerfrei. Wer diese Rahmenbedingungen versteht, kann innerhalb des Systems die bestmöglichen Entscheidungen treffen.

Wie funktionieren Netzsperren technisch?

Die Netzsperren in der Schweiz basieren auf DNS-Sperren. Wenn Sie eine gesperrte Domain aufrufen – etwa eine internationale Wettseite – , leitet Ihr Internetprovider die Anfrage nicht an den Server der Wettseite weiter, sondern auf eine Sperrseite um. Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) führt eine Liste der zu sperrenden Domains, und die Schweizer Internetprovider sind gesetzlich verpflichtet, diese Sperren umzusetzen.

DNS-Sperren sind technisch die einfachste Form der Internetzensur – und auch die am leichtesten zu umgehen. Anders als Deep Packet Inspection oder IP-Sperren blockieren DNS-Sperren nur die Namensauflösung, nicht den tatsächlichen Datenverkehr. Das bedeutet: Wer seinen DNS-Server ändert oder ein VPN nutzt, kann die Sperre theoretisch umgehen. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – die Nutzung eines VPN zur Umgehung von Netzsperren bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone, die für den Nutzer reale Risiken birgt.

Die Schweiz hat sich bewusst für DNS-Sperren und gegen aggressivere Technologien entschieden. Der Grund: Verhältnismässigkeit. Eine Volksabstimmung im Jahr 2018 bestätigte das Geldspielgesetz mit 72,9 Prozent Zustimmung – ein klares Mandat für Regulierung, aber kein Mandat für eine Überwachungsinfrastruktur. Die DNS-Sperre ist ein Kompromiss: Sie hält den Durchschnittsnutzer von illegalen Angeboten fern, ohne den gesamten Internetverkehr zu überwachen. Für den technisch versierten Nutzer ist sie keine unüberwindbare Barriere – aber die rechtlichen Konsequenzen einer Umgehung sind ein eigenständiges Risiko.

Interessant ist der internationale Vergleich. Italien und Frankreich setzen ebenfalls DNS-Sperren ein, kombinieren sie aber mit IP-Blocking für besonders hartnäckige Anbieter. Die Niederlande verfolgen einen liberaleren Ansatz mit einem offenen Lizenzsystem, das mehr Wettbewerb ermöglicht. Die Schweiz steht mit ihrem Zwei-Anbieter-Modell am restriktiven Ende des Spektrums – eine politische Entscheidung, die Spielerschutz über Marktvielfalt stellt.

Die ESBK-Sperrliste: Welche Wettanbieter betroffen sind

Die ESBK-Sperrliste ist ein dynamisches Dokument, das regelmässig aktualisiert wird. Zum Zeitpunkt dieses Artikels enthält sie hunderte Domains – von den grossen internationalen Buchmachern über Casino-Seiten bis hin zu Poker-Plattformen. Die bekannten Namen sind alle dabei: Die grössten internationalen Sportwettenanbieter, die in der EU operieren, sind in der Schweiz gesperrt. Auch asiatische Plattformen und kleinere Offshore-Anbieter stehen auf der Liste.

Die ESBK identifiziert neue Domains kontinuierlich. Wenn ein gesperrter Anbieter eine neue Domain registriert – etwa eine .com-Variante statt der gesperrten .ch-Variante – , wird die neue Domain nachträglich auf die Sperrliste gesetzt. Dieser Katz-und-Maus-Prozess ist endlos, aber die ESBK hat die Ressourcen und den gesetzlichen Auftrag, ihn fortzusetzen. Heute haben 54 Prozent der Schweizer Bevölkerung mindestens einmal an einem Geldspiel teilgenommen – eine Zahl, die zeigt, wie relevant das Thema für die Schweizer Gesellschaft ist.

Mark Richard, Direktor der ESBK, hat die Netzsperren im Kontext der Geldwäschereibekämpfung erklärt: Nicht lizenzierte Anbieter operieren ausserhalb jeder Aufsicht, und die Gelder, die über diese Plattformen fliessen, sind für die Behörden nicht nachvollziehbar. Die Netzsperren sind aus dieser Perspektive nicht primär ein Instrument des Spielerschutzes, sondern ein Werkzeug gegen Finanzkriminalität. Für den einzelnen Wettenden mag das abstrakt klingen, aber es erklärt, warum die Schweizer Behörden die Sperren konsequent durchsetzen.

Für Rugby-Wettende bedeutet die Sperrliste konkret: Die breiten Wettmärkte, die internationale Anbieter für die Six Nations oder die Rugby Championship bieten – 40 bis 50 Märkte pro Spiel, spezialisierte Prop Bets, Player-Performance-Märkte – , sind in der Schweiz nur über die beiden legalen Anbieter verfügbar. Sporttip bietet ein solides Grundangebot mit Siegwetten, Handicaps und Over/Under-Märkten, aber die Markttiefe ist geringer als bei den internationalen Konkurrenten. Das ist der Preis der Regulierung – und er ist real, aber er kommt mit Gegenleistungen.

Rechtliche Konsequenzen für Nutzer gesperrter Seiten

Die entscheidende Frage für viele Wettende: Mache ich mich strafbar, wenn ich über ein VPN bei einem gesperrten Anbieter wette? Die Antwort ist differenziert. Das Geldspielgesetz richtet sich primär gegen die Anbieter, nicht gegen die Nutzer. Das Spielen bei einem nicht konzessionierten Anbieter ist für den Spieler selbst nicht direkt strafbar – aber es gibt indirekte Konsequenzen, die erheblich sein können.

Erstens: Gewinne bei nicht lizenzierten Anbietern unterliegen der vollen Besteuerung. Im Gegensatz zu den legalen Anbietern, wo Gewinne bis zu einer Höhe von 1’070’400 CHF steuerfrei sind, müssen Gewinne bei nicht konzessionierten Plattformen als Einkommen deklariert werden. Wer das nicht tut, riskiert ein Steuerstrafverfahren. Zweitens: Es gibt keinen Rechtsschutz. Wenn ein nicht lizenzierter Anbieter Ihre Gewinne nicht auszahlt, haben Sie keine Möglichkeit, vor einem Schweizer Gericht zu klagen. Der rechtliche Rahmen schützt nur Spieler bei legalen Anbietern.

Drittens: Die Nutzung eines VPN zur Umgehung der Netzsperren kann gegen die AGB Ihres Internetproviders verstossen. Und viertens: Nicht lizenzierte Anbieter sind nicht verpflichtet, Schweizer Spielerschutzmassnahmen umzusetzen – keine Einzahlungslimits, keine Verlustgrenzen, keine Selbstsperroptionen. Für vulnerable Spieler ist das ein ernsthaftes Risiko, das über die finanzielle Dimension hinausgeht.

Meine persönliche Haltung ist klar: Ich wette ausschliesslich bei legalen Schweizer Anbietern. Das Wettangebot ist begrenzter, die Margen sind höher, und die Markttiefe ist geringer. Aber die Vorteile – Steuerfreiheit, Rechtsschutz, Spielerschutz – überwiegen die Nachteile bei weitem. Langfristig profitiert man mehr von steuerfreien Gewinnen und garantierter Auszahlung als von marginal besseren Quoten bei einem Anbieter, der morgen gesperrt oder insolvent sein könnte.

Häufige Fragen zu Netzsperren und Sportwetten

Ist die Nutzung eines VPN für Sportwetten in der Schweiz strafbar?

Die Nutzung eines VPN an sich ist nicht strafbar. Das Spielen bei einem nicht lizenzierten Anbieter über VPN ist für den Spieler ebenfalls nicht direkt strafbar, hat aber indirekte Konsequenzen: volle Besteuerung der Gewinne, kein Rechtsschutz bei Streitigkeiten und mögliche Verstösse gegen AGB des Internetproviders.

Wie oft wird die ESBK-Sperrliste aktualisiert?

Die ESBK aktualisiert die Sperrliste regelmässig und ohne festen Rhythmus. Neue Domains werden laufend identifiziert und hinzugefügt. Wenn ein gesperrter Anbieter eine neue Domain registriert, wird diese in der Regel innerhalb von Wochen nachgesperrt.

Können neue Wettanbieter eine Schweizer Lizenz erhalten?

Theoretisch ja, praktisch ist es extrem schwierig. Eine Sportwetten-Konzession ist an eine Casinolizenz gebunden, und die Anzahl der Casinolizenzen ist begrenzt. Neue Anbieter müssten entweder eine bestehende Lizenz erwerben oder eine der seltenen neuen Konzessionen erhalten – beides ist aufwändig, teuer und politisch komplex.

Verfasst vom Team von „Rugby Union Wetten Bonus Schweiz”.